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Muzak

 

     


Muzak

Der Begriff Muzak ist eine lautlich veränderte Version des englischen Worts für Musik ("music"). Damit wird Musik bezeichnet, die gewöhnlich in Fahrstühlen, Kaufhäusern, Hotels und manchen Arbeitsumgebungen mit meist rearrangierter Musik zur Dauerberieselung eingesetzt wird.

Geschichte

Muzak als Inbegriff der funktionellen Musik ist benannt nach der amerikanischen Firma Muzak Inc.. 1922 gründete der US-amerikanische General a.D. George Owen Squier, der im Ersten Weltkrieg Chef des amerikanischen Nachrichtenkorps war und sich stark für die Einsatzmöglichkeiten der damals neu aufkommenden Kommunikationsmittel Telefon und Radio interessierte, die Firma "Wired Radio", die später in Muzak Inc. umbenannt wurde.

Das Gründungsjahr des Unternehmens verweist kulturgeschichtlich auf eine Periode großer technischer Neuerungen und damit einhergehender allgemeiner Technikeuphorie. Diese fand etwa in der Literatur in der Strömung des Futurismus ihren Niederschlag, während sie im gesellschaftlichen Umfeld unter dem Schlagwort des social engineering auf die methodische Steuerung von Belegschaften und Kunden, auf die Rationalisierung von Bewegungs-und Arbeitsabläufen zielte. Auf die Erleichterung nervtötender Fließbandarbeit war etwa der Muzak-Slogan "Boring work is made less boring with boring music" gemünzt.

Die von Muzak Inc. in den 1950er und 1960er Jahren angestrengten Bemühungen zur "wissenschaftlichen" Untermauerung der Wirksamkeit ihres Konzepts (s. Abschnitt "Wirkung") werden heute von ihren eigenen Firmensprechern als Marketing-Gag bezeichnet. Trotzdem traf das Firmenkonzept in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine in den westlichen Gesellschaften verbreitete Rezeptionshaltung und konnte deshalb "funktionieren".

Der etwa in den 1970er Jahren einsetzende grundlegende Wandel der Musikrezeption insbesondere einer sich immer stärker in den Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung drängenden Jugendgeneration brachte das Muzak-Konzept als konsumunterstützendes Marketing-Instrument an seine Grenzen. Die Seichtigkeit und Beliebigkeit einer bewußt jede Aufmerksamkeit vermeidenden Musikkonzeption unterlag der Konkurrenz mit einer vorher so nicht gekannten aktiven Musikrezeption, bei der sich über die bevorzugte Musikrichtung nunmehr auch eine bestimmte Lebenseinstellung auszudrücken begann.

Eine als Muzak ihrer Substanz entleerte Pseudomusik konnte vor dieser Rezeptionshaltung nicht bestehen und verkehrte sich sogar in ihr Gegenteil: Statt besänftigend und ausgleichend zu wirken, erschuf Muzak-Gedudel aufgrund der unbefriedigten ästhetischen Erwartungshaltung der Rezipienten nun sogar Aggressionen.

Die Abkehr vom Muzak-Konzept drückt sich in der Werbung des ausgehenden 20. Jahrhunderts unübersehbar in dem Umstand aus, dass die Werbung nunmehr bewusst originalbelassene Musik als Stimmungsinstrument einsetzt, wobei nicht nur gängige Hitparadenmelodien zum Einsatz kommen, sondern z.T. sogar umgekehrt aus der musikalischen Untermalung eines Werbespots neue Hits entstehen. Noch unvereinbarer mit Muzak ist die Verwendung nicht nur eingängiger klassischer Melodien, sondern selbst anspruchsvoller, an die Grenzen der Tonalität vordringender moderner Klassiker wie Carl Orffs "Carmina Burana".

Wirkung

Der funktionale Aspekt von Muzak besteht in der gezielten Veränderung der akustischen Verhältnisse am jeweiligen Einsatzort in eine bestimmte, vom Auftraggeber gewünschte Richtung. Muzak dient z.B. sowohl der Überlagerung störender Umgebungsgeräusche als auch der Vermeidung einer unerwünschten, weil als bedrückend empfundenen Stille. Motiviert ist diese Veränderung stets durch das Bestreben, die Stimmung und Gefühlslage der Menschen, die sich (oft zufällig) in einer bestimmten Umgebung aufhalten, in eine positive Richtung zu lenken und sie so zum Verweilen anzuhalten und für andere Botschaften empfänglich zu machen. Sehr häufig handelt es sich bei diesen Botschaften um Werbebotschaften, die die Menschen zum Konsum anreizen sollen.

Muzak wird aber auch – insbesondere in den USA oder in Kanada – im öffentlichen Raum eingesetzt, um Passanten psychoakustisch (etwa aggressionshemmend) zu beeinflussen. In Hamburg dient die Beschallung des Hauptbahnhofs mit klassischer Musik zu der politisch gewollten Vertreibung der sich dort früher konzentrierenden Junkie-Szene. Den Junkies wird durch den ihrer Szene fremden Klangteppich signalisiert, sich am "falschen" Ort aufzuhalten, was – zusammen mit ordnungspolizeilichen Maßnahmen – tatsächlich eine Vertreibung der Szene aus dem unmittelbaren Bahnhofsumfeld bewirkt hat.

Muzak wird entweder gezielt für einen bestimmten Einsatzzweck produziert, oder es handelt sich um Musik, die mit einer anderen Motivation komponiert wurde, aber nach entsprechender Arrangierung als Muzak eingesetzt wird. Exemplarisch seien Für Elise von Ludwig van Beethoven und Die vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi genannt. Oft werden dabei Interpretationen solcher Werke im Stil der populären Klassik verwendet. Die Forderung nach einer Musik, die "heard but not listened to" sein soll, führt dazu, dass Muzak-Arrangements praktisch ausnahmslos reine Instrumentalmusik ist – gesungene Texte würden eine zu starke Aufmerksamkeit auf sich ziehen und damit ihre intendierte Wirkung verfehlen.

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