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Crossover

 

     


Crossover

Als Crossover (engl. f. genetische Kreuzung) wurde in der nordamerikanischen Hardcore-(Punk-)Szene in den 80er Jahren die Erweiterung der stilistischen Möglichkeiten durch "Kreuzung" mit anderen Musikrichtungen bezeichnet. Dabei kamen aufgrund der engen Verwandtschaft vielfach Metal- und Hardrock-Elemente zum Einsatz. Grundsätzlich wurde aber mehrheitlich die Öffnung des begrenzten Punk-Schemas gegenüber nahezu allen Bereichen populärer Musik angestrebt und stand damit lange Zeit als Synonym für künstlerische Freiheit. Unter Beibehaltung der Basisenergie des Punks der 70er Jahre wurde daher auch verstärkt mit vorher als unpassend betrachteten Richtungen wie beispielsweise Country, Jazz oder Funk experimentiert. Auf diese Weise entstand eine breite Bewegung zunächst subkulturell orientierter Rockmusik, die sich stetig weiter vom ursprünglichen Punk weg entwickelte.

Geschichte

Diese Entwicklung stieß besonders bei wertkonservativen Punks der ersten Generation auf Ablehnung, so dass Bands wie beispielsweise The Minutemen, die mit Funk- und Jazz-Elementen arbeiteten, anfänglich massiven Anfeindungen ausgesetzt waren. Nicht zuletzt auch aus Opposition gegen solchen Dogmatismus versuchten sich fortschrittlichere Hardcore-Musiker ab Mitte der 80er auch äußerlich von den traditionellen Punks abzusetzen. Sie verwendeten bewusst "Codes" der unter Punks oft verhassten Hippie-Generation, ließen sich die Haare lang wachsen, trugen Flanellhemden und zerissene Jeans. Ein Outfit, das in den frühen 90ern durch den Welterfolg der aus dem Hardcore hervorgegangenen Grunge-Bands extrem populär wurde.

Eine Sonderstellung nimmt der (Szene-intern nicht so genannte) "Hardcore-Funk-Crossover" ein, der auch im Metal-Lager viele Anhänger zählte und dort anfangs "Funk Metal" genannt wurde. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass auch die "new school" genannte zweite Hip Hop-Generation (z.B. Run DMC) gern mit Hardrock-Beats arbeitete, entstand so bereits um die Mitte der 80er eine breite Welle von kommerziell äußerst erfolgreichen Bands (wie Red Hot Chili Peppers oder Beastie Boys).

Besonders der immense kommerzielle Erfolg der nachfolgenden Faith No More brachte die Bezeichnung Crossover schließlich zu Anfang der 90er Jahre aus dem Underground in die Gazetten der Weltöffentlichkeit. In dieser Zeit entstand das auch später häufig anzutreffende Missverständis, Crossover wäre mit einer Art "Rap-Metal" gleichzusetzen, was aber lediglich die kommerziell erfolgreichste Crossover-Strömung des nordamerikanischen Hardcore darstellt. Das ist dieser Bereich bis heute: Es ist präzise die im Hardcore-Underground der 80er entwickelte Mischung aus Punk, Metal und Hip Hop, die von Bands wie Limp Bizkit oder Linkin Park seit den späten 90ern unter der Bezeichnung Nu Metal verkauft wird und somit nach wie vor höchste Aktualität besitzt.

Vor diesem Hintergrund etablierte sich Anfang der 90er eine zweite Welle von Crossover-Bands wie Rage Against The Machine und Body Count, die vom Massenpublikum bereits nicht mehr mit Hardcore in Verbindung gebracht wurden. Zwischen 94-98 war Crossover der Trend schlechthin in der Alternative- und Metalszene, Bands wie Biohazard, Dog Eat Dog und Machine Head verkauften ihre Alben hundertausendfach.

In Deutschland wurden Anfang der 90er die H-Blockx bekannt. Die heute kommerziell erfolgreichen deutschen Bands sind Guano Apes und Die Happy, die sehr stark von Skunk Anansie beeinflusst wurden. Auch in anderen europäischen Ländern gab es eine Reihe von Crossover-Formationen, wie z.B. Urban Dance Squad in den Niederlanden, FFF in Frankreich, Senser in Großbritannien oder Clawfinger in Schweden.

Parallel zum Niedergang der Hardcore-Bewegung kam auch der Begriff Crossover aus der Mode (abgesehen vom missverständlichen Gebrauch als Stilrichtung). Künstlerischer Hintergund dürfte sein, dass die Verwendung verschiedener Stil-Elemente so weit als "state of the art" gilt, dass Crossover eine selbstverständliche Technik geworden ist, die keiner alltäglichen Erwähnung mehr bedarf.

Weblinks
• Betrachtung aus subkultureller Sicht (http://www.gib-schub.de)

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