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Rock'n'Roll

 

     


Rock'n'Roll

Rock 'n' Roll (kurz für Rock and Roll) ist ein unklar umrissener Begriff für eine US-amerikanische Musikrichtung der 1950er und frühen 1960er Jahre und das damit verbundene Lebensgefühl einer Jugend-Protestkultur. Die meistens (außer in manchen Balladen) im 4/4-Takt gespielte Musik enthält einen deutlichen Offbeat (starker Akzent auf den geraden Zählzeiten zwei und vier).

Außerdem ist Rock 'n' Roll die Bezeichnung für einen mit dieser Musik verbundenen Gesellschaftstanz, der aus dem Lindy Hop und dem Jitterbug hervorgegangen ist und dessen wesentliche Merkmale die akrobatischen Einlagen sind. Im Gegensatz zur Musik werden im Tanz die ungeraden Zählzeiten (eins und drei) betont.

Inhaltsverzeichnis

1 Begriff
2 Gesellschaftlicher Kontext
3 Rhythm & Blues
4 Stylemap
5 Spielarten des Rock 'n' Roll

5.1 Northern Band Style
5.2 Rockabilly
5.3 Handjive
5.4 Car-Sound
5.5 Schwarzer Doowop
5.6 Weißer Doowop
5.7 New Orleans Sound
5.8 Instrumental
5.9 Surf/Hotrod
5.10 Teenage Rock 'n' Roll/Highschool
5.11 Twist
5.12 Andere
6 Rock 'n' Roll-Tanz
7 Siehe auch
8 Weblinks

Begriff

Zunächst ein Slangausdruck für den Beischlaf, wurde der Begriff Rock 'n' Roll als Bezeichnung für eine Musikrichtung angeblich erstmals 1952 vom amerikanischen DJ Alan Freed geprägt. Allerdings tauchte der Begriff "Rock" und auch "Rock and Roll" schon Jahre vorher in schwarzen Rhythm & Blues Titeln auf, beispielsweise in Eunice Davis' Aufnahme "Rock little Daddy" von 1951 oder bereits in dem 1934 (!) von den Boswell Sisters aufgenommenen Titel "Rock & Roll".

Dennoch bleibt unumstritten, dass es Freed war, der sowohl den Begriff als auch die Musik selbst für eine breite Öffentlichkeit fit machte, so dass "Rock 'n' Roll" ab etwa 1955 den Begriff Rhythm & Blues ablöste. Seine Radioshow „Moondogs“, in der vor allem schwarzer Rhythm & Blues gespielt wurde, hatte Mitte der 50er Jahre Kultstatus sowohl bei weißen als auch bei schwarzen Jugendlichen. Außerdem fungierte Freed als Veranstalter für Livekonzerte und als Entdecker und Förderer von Künstlern wie Chuck Berry, Bo Diddley, Gene Vincent, Frankie Lymon und etliche mehr.

Heute wird der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch auch auf zeitgenössische Rockmusik angewendet, vor allem im angelsächsischen Sprachraum. Die musikhistorische Definition ist jedoch enger gefasst. Hier ist Rock 'n' Roll ein Sammelbegriff für diverse Frühformen der Rockmusik, die Mitte der 50er Jahre in den USA entstanden und in ihrer subkulturellen Funktion Mitte der 60er Jahre von der Beatmusik abgelöst wurden.

Gesellschaftlicher Kontext

Schon Ende der 40er Jahre begann in den USA eine Jugend-Protestkultur, die das Underdogdasein, Freiheit von bürgerlicher Moral, Drogen und rastlose Mobilität zu ihren Idealen erhob. Diese Bewegung identifizierte sich zunächst nicht über die Musik, sondern über die Beat-Literatur von Autoren wie Jack Kerouac, Filme wie „The Wild One“, oder über Bücher wie „Catcher in the Rye“. Selbst der James Dean Film „Rebel Without a Cause“ von 1955 hatte noch keinen musikalischen Rock 'n' Roll-Bezug, obwohl er ansonsten schon alle Merkmale der Rock 'n' Roll-Kultur enthielt. Als Musik dieser Bewegung diente zunächst, vor allem bei den Anhängern der Beat-Generation Anfang der 50er Jahre, der schwarze Bebop-Jazz, als die Protestbewegung sich weiter ausbreitete, wurde das (von den Eltern häufig verbotene) Hören von Rhythm & Blues populär, der Musik der afroamerikanischen Unterschicht, die weiter unten näher erklärt wird.

Erst der Film „Blackboard Jungle“ von 1955 enthielt einen Rock 'n' Roll Soundtrack („Rock around the Clock“ von Bill Haley & The Comets) und brachte dadurch den ersten weltweiten Rock 'n' Roll Hit hervor. Der explosionsartige Erfolg dieser Musik erklärt sich aus der schon länger bestandenen Sehnsucht nach einer eigenen Jugendmusik, über die sich die Rebellion gegen die Elterngeneration ausdrücken ließ. Rock 'n' Roll füllte also ein gesellschaftliches Vakuum und gab einem vagem Lebensgefühl seine Ausdrucksmöglichkeit.

Trotzdem ist der Rock 'n' Roll nie ein einheitlicher Stil, sondern immer nur ein Sammelbegriff verschiedener Musikarten gewesen. Die Musikszene in den USA war stark regionalisiert, nicht nur, weil das dominierende Massenmedium Rundfunk vorwiegend aus lokalen Stationen bestand. Auch die Plattenindustrie war regional organisiert, die ethnischen Subkulturen hatten ihre geografischen Nischen mit eigenen musikalischen Traditionen, und in den Südstaaten herrschte strenge Rassentrennung. So etablierten sich, je nach Gesellschaftsschicht, Ethnie und geografischer Region, unterschiedliche Musikstile, die alle unter Rock 'n' Roll einzuordnen sind, weil sie zwei gemeinsame Nenner vereint: Sie sind alle Ausdruck von Minderheiten und sie wurzeln alle im Rhythm & Blues. Deshalb lohnt es sich, bevor wir die einzelnen Spielarten des Rock 'n' Roll beschreiben, einen näheren Blick auf diese vielerwähnte Musikrichtung, diesen Ur-Nährboden des Rock 'n' Roll, zu werfen:

Rhythm & Blues

Die Bedeutung des Begriffs, geprägt Anfang der 40er Jahre von Jerry Wexler, hat sich bis heute ständig gewandelt. Zunächst nur ein Ersatzwort für „Race Music“, war Rhythm & Blues in den 40er Jahren die Bezeichnung für sämtliche afroamerikanische Musik außer dem Jazz, also für die Musik der schwarzen Unterschicht Amerikas.

Ende der 40er Jahre entwickelte sich, im Zuge der Urbanisierung der schwarzen Landbevölkerung, ein einheitlicher, großstädtischer Stil heraus. Viele Rhythm & Blues Combos waren zunächst nichts anderes, als verkleinerte schwarze Bigbands. Häufig waren es Sextette oder Quintette. Die kleineren Besetzungen verdankten sich dem Kostenvorteil gegenüber den Bigbands, die für ärmere Clubs nicht mehr bezahlbar waren. Die geringere Lautstärke wurde durch die damals neue elektrische Gitarre kompensiert. Weiterhin kristallisierte sich ein Pianostil heraus, bei dem die linke Hand boogieartige Bassbegleitungen, die Rechte schnelle triolisch geschlagene Doppelgriffe spielte. Anders als im Swing, trat der solistische Anteil der Bläser zurück. Besonders das Altsaxofon fungierte zunehmend als Rhythmusinstrument und spielte Shuffelgrooves. Reine Instrumentalstücke waren selten. Sänger und Sängerinnen (der Frauenanteil im Rhythm & Blues war deutlich höher als im Rock 'n' Roll) sangen häufig mit gospelartigen Verzierungen. Nicht wenige Rhythm & Blues Texte spielten mit sexuellen Anspielungen und Zweideutigkeiten.

Rhythm & Blues galt für das etablierte Amerika als anzüglich und vulgär, schlicht als inakzeptable Untergrundmusik. Indes gelang es dem Rhythm & Blues, eine eigene Musikindustrie zu etablieren, die auch größere Labels wie Atlantic Records unterhalten konnte, wo der Produzent Jerry Wexler diese Musik wie kein zweiter förderte.

Wenn auch der Rhythm & Blues nicht uneingeschränkt unter Rock 'n' Roll einzuordnen ist, so teilt er doch mit diesem eine große Schnittmenge, in die Interpreten wie der frühe Ray Charles, Bo Diddley, natürlich auch Chuck Berry, Fats Domino, Little Richard, LaVern Baker und viele andere hineingehören. In Städten wie Chicago oder New Orleans wurden dementsprechend die beiden Begriffe „Rock 'n' Roll“ und „Rhythm & Blues“ auch lange als Synonyme verwendet. Und selbst denjenigen Rock 'n' Roll-Spielarten, die eindeutig nicht mehr zum Rhythm & Blues gehören, von Rockabilly bis zum Highschool Rock 'n' Roll, diente der Rhythm & Blues als wesentlicher Inspirationspool. Man kann also mit Recht behaupten, dass der Rock 'n' Roll eine Weiterentwicklung, häufig auch eine „Verweißung“ des Rhythm & Blues war, während dessen "schwarze" Urform wesentliche Akzente bei dem etwa gleichzeitig verlaufenden Übergang zur Ausbildung des Soul als eigenständigem Genre der afroamerikanischen Populärmusik setzte. So schuffen auch zahlreiche deutsche Gruppen z.B. Ton Steine Scherben zahlreiche Texte um gegen politische Ungerechtigkeiten zu protestieren.

Vertreter: Wynonie Harris, Big Joe Turner, Etta James, Clyde McPhatter, Bobby Blue Bland, LaVern Baker

Stylemap

Die „Stylemap“ zeigt Schnittmenge und Berührungspunkte von Rhythm & Blues (rot) und Rock 'n' Roll (gelb), sowie die wichtigsten Stile und Unterstile des Rock 'n' Roll. Wollte man allerdings sämtliche Querverbindungen und gegenseitigen Inspirationen auflisten, würde eine solche Grafik zu einem noch unentwirrbareren Knoten werden, als sie es hier schon ist. Deshalb sind hier viele Aspekte nicht berücksichtigt, unter anderem der, dass die meisten Künstler im Verlaufe ihres Schaffens nicht statisch in einer stilistischen Ecke bleiben. Als Beispiel sei Ray Charles genannt, der genau genommen an fast allen Ecken der Grafik auftauchen müsste. Auch Hank Ballard dürfte eigentlich nicht nur unter Twist aufgelistet werden, den er erst in der späteren Phase seiner Karriere erfand. Außerdem trägt die Abbildung einer wichtigen Entwicklung nicht Rechnung, in deren Zuge sich ab etwa 1958 viele oder alle Rock 'n' Roll Spielarten zu einer Mainstreamform vermischten.

Kategorien und Stilschubladen haben zudem immer einen akademischen Aspekt, der die Musik nicht hinreichend erklären kann. Man sollte also diese Kategorien nicht als in Stein gemeißelt betrachten und nicht vergessen, dass es gerade die Überwindung von Schubladen war, die den Rock 'n' Roll erst möglich machte.

Spielarten des Rock 'n' Roll

(Zu den einzelnen Spielarten siehe auch die jeweiligen Wikipedia-Links mit z. T. umfangreicheren Artikeln)

Northern Band Style

Um 1954 im Norden der USA entstandene weiße Musikrichtung, die den Bigbandsound mit markantem 4/4 Offbeat anreicherte, mit Boogielinien versah und in kleinerer Besetzung wiedergab. Wird wegen des "geslappten" Kontrabasses gelegentlich mit seinem Südstaatenpendant, dem Rockabilly verwechselt, enthält aber ein dominanteres, zuweilen solistisches Schlagzeug und legt außerdem einen Schwerpunkt auf die im Rockabilly untypischen Blechbläser. In der Performance waren die synchronen Schwenkbewegungen der Instrumente typisch, die auffällig gemusterten Einheitsanzüge der Musiker und rhythmische Zwischenrufe ("crazy man crazy!")- alles Elemente aus der Bigband-Kultur. Gespielt wurden Coverversionen schwarzer Rhythm & Blues Titel aber auch neue Kompositionen. Wichtiges Instrument war neben Kontrabass und Blechbläsern auch die E-Gitarre, die sich durch schnelle, schwierige Läufe vom übrigen Rock 'n' Roll abhob.

Vertreter: Bill Haley & The Comets, Freddy Bell & The Bellboys

Rockabilly

Um 1954 in den Südstaaten der USA entstandene weiße Interpretation des Rhythm & Blues, durchmischt mit Elementen der Country- und Hillbillymusik. Als Erstling des Rockabilly gilt der von Elvis Presley im Sommer 1954 eingespielte Titel „That's Allright, Mama“. Produzent war der Gründer des Sun Labels Sam Phillips, der schon Anfang der 50er Jahre als Produzent von "Big" Joe Turner einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Beale-Street-Rhythm & Blues geleistet hatte.

Zunächst mit Minimalbesetzung gespielt („geslappter“ Kontrabass, E-Gitarre, Gesang), kamen später auch Schlagzeug und Piano zum Rockabilly. Ausgehend von Memphis, Tennessee verbreitete sich der Rockabilly durch die intensive Tourtätigkeit der Musiker von Sun Records schnell über den gesamten Süden und inspirierte hunderte von Musikern, den Stil zu kopieren. Nur wenigen gelang es dabei, über eine bloße Sun-Kopie hinauszugehen und individuelle Rockabilly-Stile zu entwickeln, wie z. B. Gene Vincent und Buddy Holly. Ab 1957 löste sich der Rockabilly in einer Art Mainstream-Rock 'n' Roll auf, die meisten Interpreten jedoch wandten sich der reinen Countrymusik zu. Rockabilly war zugleich die erste Spielart des Country-Rock.

Vertreter: der frühe Elvis Presley, Carl Perkins, Johnny Burnette Trio, Eddie Cochran, Gene Vincent, der frühe Roy Orbison

Handjive

Handjive ist eine ursprünglich schwarze Spielart des Rock 'n' Roll und entstand um 1956 in Chicago als Unterart des Rhythm & Blues. Wesentliche Merkmale sind die stark im Vordergrund stehenden Perkussionsinstrumente, die einen tranceartigen, ostinaten Groove erzeugen und sich zeilenweise mit dem Gesang abwechseln, dessen Melodie im „Frage-Antwort-Schema“ aufgebaut ist. Die elektrische Gitarre ist erstmals leicht verzerrt und spielt hauptsächlich Rhythmuslicks. In den 50er Jahren wurde der Jandjive in den schwarzen Vierteln Chicagos z. T. von Kindern auf der Straße getanzt. Er nahm die musikalische Entwicklung der Rockmusik in den 60ger Jahren vorweg und beeinflusste weiße Bands, wie die Rolling Stones. Vertreter: Bo Diddley, Johnny Otis

Car-Sound

Als "Car-Sound" bezeichnete man in den 50er Jahren die Musik des schwarzen Gitarristen und Sängers Chuck Berry. Den Beginn machte 1955 die Chess-Veröffentlichung "Maybellene", ein Titel, in dem es um eine Art Autorennen geht. Berry selbst war Automechaniker und thematisierte mit seiner fast weiß klingenden Stimme den amerikanischen Autokult der 50er Jahre. Die Texte Berrys, der in seiner Jugend Autos knackte, um Spritztouren zu unternehmen, erzählen von rastloser Mobilität quer durch die USA und erinnern an Jack Kerouacs Kultroman "On The Road". Entscheidend für diesen "Chicago-Rock 'n' Roll" aber ist eine völlig neue Verwendung der elektrischen Gitarre, die mit einer leichten Röhrenverzerrung etwas blechern klingt und bei Berrys zweisaitigen Bendings an Autohupen erinnert. Die Rhythmusbegleitung spielte Berry mit Abschlägen auf den abgedämpften Basssaiten. Berry ist einer der meistgecoverten Rockmusiker. Seine Licks inspirierten weite Teile der Beatmusik in den 60er Jahren und gehören bis heute zum Standardrepertoire vieler Gitarristen und Schülerbands.

Berrys Kollege, der ebenfalls bei Chess unter Vertrag stehende Bo Diddley, griff den Car-Sound auf und spielte ebenfalls ein paar Car-Titel ein ("Roadrunner"). Der Car-Sound aus den Autoproduktionsstädten des Nordens inspirierte auch die Surf/Hotrod-Musiker aus Kalifornien, dem "Autoland". Vertreter: Chuck Berry, Bo Diddley

Schwarzer Doowop

Doowop ist die Bezeichnung für eine Rhythm & Blues Unterart, die einen besonderen Schwerpunkt auf das mehrstimmige Gesangsarrangement legt. Der Stil entwickelte sich ab 1954 in den schwarzen Vierteln amerikanischer Großstädte, wo er von unbekannten Bands vor allem in U-Bahnhöfen und Greyhound-Wartehallen gesungen wurde. So ist Doowop eng verbunden mit der besonderen Akustik öffentlicher Hallen. Balladen wechselten sich mit schnellen Nummern ab. Ab 1956 schafften es einige ehemalige Straßenbands in die Rhythm & Blues Charts. Vertreter: The Penguins, The Moonglows, Frankie Lymon & The Teenagers, The Platters

Weißer Doowop

Ende der 50er Jahre begannen junge, weiße Amerikaner in den Großstädten den Doowop zu kopieren. Besonders taten sich dabei Nachkommen italienischer Einwanderer hervor, im Zentrum der weißen Doowop-Bewegung lag die New Yorker Bronx. Die derben sexuellen Anspielungen in den Texten der schwarzen Vorbilder wie Hank Ballard wurden allerdings nicht übernommen und durch harmlosere Inhalte aus dem Teenageralltag ersetzt. Ein wichtiges Element war die hohe Falsettstimme des Leadsängers – ein Effekt, der später von der Surfmusik aufgegriffen wurde. Der weiße Doowop wurde zur Identifikationsmusik einer ganzen Jugendgeneration der italo-amerikanischen Minderheit in den USA. Die damalige Atmosphäre in der italienischen Szene der Bronx wurde 1979 in dem Film "The Wanderers" gelungen rekonstruiert.

In einer Zeit, als Rock 'n' Roll langsam seine Schockwirkung einbüßte und zur allseits akzeptierten Modeerscheinung wurde, wurden weiße Doowopkünstler außerdem bei der weißen Mittelklasse-Jugend sehr beliebt. Der weiße Doowop wurde so zum Vorläufer des Surf und des Highschool-Rock 'n' Roll. Vertreter: Dion DiMucci

New Orleans Sound

Eine schwarze Spielart des Rock 'n' Roll/Rhythm & Blues, dessen wesentliches Merkmal das in den hohen Lagen triolisch gespielte Piano ist. Der New Orleans Sound reicht in die frühen 50er Jahre zurück, als echter Rock 'n' Roll trat er um 1955 mit Fats Domino und dem aggressiveren Little Richard in die Rockgeschichte ein. Die Tradition dieser Musik wird ohne Unterbrechung bis in die Gegenwart hinein gepflegt und hat Interpreten wie Dr. John und Prof. Longhair hervorgebracht. Vertreter: Fats Domino, Little Richard, Huey "Piano" Smith, Smiley Louis

Instrumental

Im Westen der USA wurde 1958 eine Gitarren-Instrumental Tradition begründet, die schnell zahlreiche Nachahmer fand. Im Studio von Lee Hazlewood in Phoenix, Arizona wurden erste Titel mit dem Gitarristen Duane Eddy eingespielt, die zu landesweiten Hits wurden. Die Gitarre war dabei leicht verzerrt, dazu spielte ein Saxofon simple Soli. Der Hall in den Aufnahmen kam durch die natürliche Akustik des metallenen Getreidespeichers zustande, in dem sich Hazlewoods Studio befand (einer der Studiohilfen Hazlewoods war übrigens der junge Phil Spector). Der „Twang-Sound“ Duane Eddies fand im gesamten Westen der USA zahlreiche Nachahmer und beeinflusste eine Reihe von Musikern auch in Europa, wie die Begleitband von Cliff Richard, die „Shadows“. Vertreter: Duane Eddy, The Ventures, The Shadows

Surf/Hotrod

Den Beginn der Surfmusik markiert der Beach Boys-Titel „Surfin'“ von 1961 (Platz 75 in den Charts), der sich musikalisch eng am weißen Doowop ausrichtete. Aber schon die folgenden, bei Capitol veröffentlichten Titel der Band ließen, neben Einflüssen von Chuck Berry und dem Doowop, einen sehr eigenständigen Stil erkennen.

Ein wesentliches Merkmal der Surfmusik sind die Texteinhalte, die meistens das Leben in Kalifornien verherrlichen. Das Thema "Surfen" wird dabei eng gefolgt vom Thema "frisierte Autos" (Hotrod). Die starke Präsenz des Autokultes in der Surf/Hotrod-Musik erklärt auch die gelegentlichen Anleihen bei Chuck Berry, dem Begründer des "Car-Sounds" (Vergleiche hierzu Beach Boys: "Surfin USA" mit Chuck Berry: "Sweet Little Sixteen").

Neben der mehrstimmigen Musik im Stile der Beach Boys und des Duos Jan & Dean etablierte sich 1961 eine instrumentale Form des Surfsounds, der sehr gut zum Themenkomplex "Auto" passte. Hier wurde sowohl der „Twang“-Sound als auch das Saxofon der Hazlewood-Produktionen aus Phoenix übernommen. Als Instrument dominierte die Fender Stratocaster, die häufig mit einem Bandecho eingespielt wurde und kühne Glissando-Riffs auf den Basssaiten spielte.

Der Surfsound begründete die Tradition der Westcoast-Rockmusik. Bands wie die Trashmen und später auch die Ramones, die gesanglich zunächst an die Beach Boys erinnerten, versahen die Musik mit einer aggressiven, anarchistischen Attitüde und bereiteten den Weg für den Punk.

Vertreter: Beach Boys, Jan & Dean, Dick Dale & The Deltones, The Rip Chords

Teenage Rock 'n' Roll/Highschool

Ab 1960 wurde von der Unterhaltungsindustrie eine gezähmte Form des Rock 'n' Roll konzipiert, die vor allem auf das sehr junge, weiße Mittelklassepublikum ausgerichtet war. Die Interpreten wirkten sauber und „elternkompatibel“. Jeans oder Lederjacken wurden gemieden. Viele dieser „Teen Idole“ wurden ausschließlich nach ihrem Äußeren gecastet und wirkten wie verharmloste Clone von Elvis Presley. Ihre z. T. mäßigen Sangeskünste wurden dann, wie im Falle von Fabian, durch intensive, z. T. silbenweise Schnittarbeit im Studio ausgeglichen. Eine wesentliche Rolle in dieser Entwicklung spielte die Dick Clark Show, eine landesweit ausgestrahlte Fernsehshow, in der die Highschool-Stars promotet wurden.

Es ist strittig, ob man den Teenage Rock 'n' Roll wirklich als echten Rock 'n' Roll bezeichnen kann. Nach einer weit verbreiteten Auffassung ist er nur der Versuch des Establishments, den Rock 'n' Roll zu integrieren, zur unkontroversen und massenkompatiblen Ware zu machen und damit sein Ende zu besiegeln.

Vertreter: Pat Boone, Paul Anka, Connie Francis, Frankie Avalon, Fabian

Twist

Bezeichnung für eine späte Spielart des Rock 'n' Roll und den dazugehörigen Tanz, der etwa zwei Jahre lang in den USA und Europa populär war. Der Tanz erweckte einiges Aufsehen, weil er nicht mehr paarweise, sondern allein getanzt wurde. Er leitete damit die bis heute in Diskotheken übliche Tanzweise ein.

Musikalisch brachte der Twist in Zeiten des seichten Highschool-Rock 'n' Roll eine Wiederbelebung der Ursprünge aus dem Rhythm & Blues und war daher soetwas wie ein erstes Rock 'n' Roll Revival. Als „Erfinder“ des Twist gilt weltweit der in der Dick Clark Show promotete Chubby Checker. Was die charakteristischen Tanzbewegungen betrifft, ist dies sicher richtig. Indes war es eigentlich der Rhythm & Blues Musiker Hank Ballard, der die Titel „The Twist“ und „Let's Twist again“ schrieb und aufnahm („The Twist“ wurde erstmals 1958 von Ballard eingespielt). Jedoch wurde wegen eines Streits mit Dick Clark (es ging um die Frage, ob Ballards Backupband „The Midnighters“ auftreten durften oder nicht) ein geplanter Auftritt von Ballard gestrichen. Als Lückenfüller wurde der bis dahin nicht bekannte, etwas füllige Checker gewählt, der „the Twist“ 1959 auf den Markt brachte und den Titel dank regelmäßiger Auftritte bei Dick Clark 1960 auf Nummer 1 der Charts platzieren konnte. Mit einer erneuten Platzierung in den Charts ein Jahr später (wiederum auf Platz 1) begann dann der weltweite Siegeszug des Twist, begleitet von einer bis dahin einmaligen Merchandise-Maschinerie. Vertreter: Hank Ballard, Chubby Checker

Andere

Neben den oben genannten wichtigsten Spielarten des klassischen Rock 'n' Roll gab es noch eine Anzahl von lokalen Stilen, häufig mit stark folkloristischem Einschlag. Wenige davon brachten übrerregionale Erfolge hervor, wie z. B. die Titel von Ritchie Valens, den wichtigsten Vertreter eines Latino-Stiles, der im Raum Süd-Texas und New Mexico unter der stark diskriminierten spanischsprachigen Bevölkerung verbreitet war und z. T. auch in spanischer Sprache gesungen wurde.

Im Mississippi-Delta wiederum waren es Musiker der franko-kanadischen Minderheit aus den Sumpfregionen Louisianas, den "Cajuns", die ihre traditionelle Fiddle- und Akkordeonmusik ab etwa 1957 mit dem Rhythm & Blues und mit dem Rock 'n' Roll verbanden. Überregionale Hits waren dieser äußerst lebendigen und vielfältigen Cajun-Rock Szene leider nicht beschieden.

Die populäreren Rhythm & Blues Musiker aus New Orleans beeinflussten wiederum die Musikszene auf Jamaica, wo man die US-Radiostationen aus Louisiana empfangen konnte. Auf diese Weise entstand in den 50ger Jahren eine Mischung aus New Orleans-Rhythm & Blues und jamaikanischer Folklore, wie dem Mento. Aus dieser Mischung entwickelte sich Anfang der 60er Jahre dann der Ska und später der Reggae.

Und schließlich ist die so genannte "Calypso-Musik" zu nennen, die Mitte der 50er Jahre von Harry Belafonte erfunden wurde. Belafonte stammte eigentlich aus New York City und sein Karibik-Akzent war nicht echt. Aber er bewies doch ein feines Gespür für den Markt, der in den 50er Jahren in einer Art erster "Ethno-Welle" nach Südseeromantik und Exotischem verlangte. Dies beschied seinem 1956 veröffentlichten Debut-Album "Calypso" einen sensationellen Erfolg. Seine Musik ist, wenn überhaupt, eher in die Pop- und Unterhaltungs-Ecke des Rock 'n' Roll einzuordnen.

Rock 'n' Roll-Tanz

Zur Rock 'n' Roll-Musik kann auch getanzt werden. Der Rock 'n' Roll-Tanz entstand aus dem Boogie-Woogie, wobei sich zunächst die Form des Lindy Hop und des Jitterbugs entwickelte. Charakteristisch für den Tanz sind die typischen "Kicks" mit den Füßen. Neben der Fußtechnik beinhaltet der Tanz auch Akrobatiken, wie z. B. Hebefiguren, Sprünge, Würfe und Überschläge. Auch heute noch gibt es nationale und internationale Meisterschaften im Rock 'n' Roll-Tanz. Die heutige Form bezeichnet man als Akrobatischen Rock 'n' Roll. Der Rock 'n' Roll-Tanz ist ein Paartanz, kann aber auch in eine Formation eingebaut werden.

Als Alternative kann zu Rock 'n' Roll-Musik auch Jive getanzt werden.

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