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Generalbass

 

     


Generalbass

Der Generalbass oder Basso continuo ist das harmonische Gerüst in der instrumentalen Ensemble-Musik des Barock. Wegen der großen Bedeutung des Generalbasses in dieser Zeit wird diese Epoche auch Generalbasszeitalter genannt.

Der Generalbass besteht aus der tiefsten Instrumentalstimme in Verbindung mit zum musikalischen Ablauf passenden Akkorden. Diese werden nicht ausgeschrieben, sondern durch Ziffern und andere Symbole angegeben, die unter die Noten der Generalbassstimme geschrieben werden (Bezifferung). Die genaue Realisierung der Akkorde ist damit dem Spieler überlassen und ist oft improvisiert. Moderne Notenausgaben enthalten aber oft eine vom Herausgeber angefertigte mögliche Realisierung der Akkorde in Notenschrift (ausgesetzter Generalbass). Sehr frühe Generalbassstimmen haben oft keine Bezifferung. Der Spieler muss dann die Akkorde aus dem musikalischen Zusammenhang erschließen.

Für die Ausführung der Akkorden kommen mehrstimmige Instrumente wie z. B. Orgel, Cembalo, Spinett, Laute, Theorbe, Gitarre oder Harfe in Frage. Die Bassstimme selbst wird oft von einem Bassmelodieinstrument mitgespielt (z.B. Violoncello, Fagott, Viola da Gamba). In größeren Besetzungen können mehrere Akkord- und Bassinstrumente eingesetzt werden. Es wird üblicherweise nicht angegeben, welches Instrument den Generalbass spielt, diese Entscheidung bleibt den Aufführenden überlassen und ist abhängig von der genauen Entstehungszeit, dem Entstehungsort und dem Charakter des Musikstücks.

Ausführung des Generalbasses

Die Bezifferung besteht aus einer oder mehreren Ziffern, die unter dem Basston vertikal angeordnet werden. Sie kennzeichnet die passenden Akkorde, wobei lediglich die Abweichung vom Normalen notiert wird.

Als Normal wird der sogenannte Grunddreiklang angenommen, der aus dem Basston mit der leitereigenen Terz und Quinte besteht. Eine Sext (6) bzw. eine Quart (4) ersetzen die Quinte bzw. die Terz, falls keine anderen Angaben gemacht werden. Alle anderen Ziffern gelten als Ergänzung des Dreiklanges, so dass eine notierte 7 als Vierklang aus Grundton, Terz, Quint und Sept interpretiert wird.

Beispiele

Typische Dreiklänge
• keine Bezifferung: Terz und der Quinte [c e g].
• 6: Terz und Sext [c e a], Sextakkord, entspricht der ersten Umkehrung.
• : Quart und Sext [c f a], Quarksextakkord, entspricht der zweiten Umkehrung.

Typische Vierklänge
• 7: Terz, Quint und Sept [c e g h], Septakkord.
• 56: Terz, Quint und zusätzlich die Sext [c e g a], Sixte ajoutée.

Typische Vorhalte
• 43: Die Terz wird durch die Quart vorgehalten, es wird zunächst die Quart gespielt und im gleichen Akkord dann zur Terz aufgelöst [c f-e g].
• 65: Die Quint wird durch die Sext vorgehalten [c e a-g].
• 98: Die Oktave wird durch die None vorgehalten. Damit ergibt sich ein Vierklang, da der Grundton in der Auflösung durch die Oktave verdoppelt wird [c e g d-c].
• 65 über 43: Die Terz und die Quinte werden durch die Quart und die Sexte vorgehalten [c f-e a-g].

Eine Sekundvorhalt (das wäre eine 21) kann nicht in Ziffern notiert werden, da er in der Bassstimme stattfindet und deswegen im Notenbild notiert werden muss.

Alterationen

Der Generalbass geht grundsätzlich von leitereigenen Tönen aus. In einem Stück, das in C-Dur notiert ist, ergibt sich damit folgender Tonvorrat: c, d, e, f, g, a, h.

Da auch schon im Barock ein größerer Tonumfang genutzt wird, gibt es Notationen, mit denen die Alteration eines leitereigenen Tons zu einem leiterfremden angezeigt wird.
• 7b: Der Septvierklang wird statt mit der leitereigenen Sept h mit der leiterfremden Sept b ausgeführt.
• 3b: Der Grunddreiklang wird mit der leiterfremden kleinen Terz und damit in moll ausgeführt

Die Bezifferung gibt keinen Aufschluss darüber, wie die entsprechenden Töne im Akkord angeordnet sind, der Spieler hat also die Auswahl, den Grundakkord über c als [c e g] zu spielen, wobei zwischen den Tönen jeweils eine Terz liegt. Er kann aber auch [c g e] spielen, so dass der Klang aus einer Quint plus einer Sext besteht.

Die Regeln der korrekten Stimmführung müssen auch im Generalbass beachtet werden, was besonders das Verbot von Quint- und Oktavparallelen betrifft.

Grenzen der Generalbassnotation

Das Konzept der leitereigenen Töne beschränkt die Generalbassnotation praktisch auf Musik, die harmonisch im näheren Umfeld der Grundtonart bleibt (siehe Quintenzirkel), da Modulationen zu weiter entfernten Tonarten zu einem Übermaß von Alterationen führen und die Lesbarkeit der Notation beeinträchtigen würden.

Damit ist der Generalbass für die Musik im Barock geeignet. Die nachfolgenden Epochen haben sich größere harmonische Zusammenhänge erschlossen und die klangliche Differenzierung im Klangkörper weiter entwickelt, so dass es ab der Wiener Klassik nicht selbstverständlich ist, dass das Fagott die gleiche Stimme wie die Violoncelli spielt, und dass das harmonische Gerüst durch ein mehrstimmiges Instrument gestützt wird.

Damit wurden andere Notationen (ausgeschriebene Partitur) und ein anderes Harmonieverständnis (Stufentheorie, später Funktionstheorie) erforderlich.

Abgrenzung zu verwandten Notationsarten und Harmoniekonzepten

Die Generalbassnotation ist sowohl eine Notationsmöglichkeit als auch eine Grundlage des Harmonieverständnisses in der Musik ihrer Zeit.

Die Stufentheorie hat die Idee der Normalversionen, der Bezifferung von abweichenden Elementen und die Basis der leitereigenen Töne übernommen, aber die Bindung an die Basslinie aufgegeben. Statt dessen ist der abstrakte Klang Ausgangspunkt der Untersuchung - von der normalen Dreiklangsstruktur abweichende Bassverläufe müssen gesondert durch Ziffern angegeben werden.

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