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Harmoniemusik

 

     


Harmoniemusik

Unter Harmoniemusik im ursprünglichen Sinne versteht man eine Orchesterbesetzung aus Holz- und Blechbläsern, die ungefähr um 1770 entstand und besonders für Freiluftkonzerten oder Tafelmusiken eingesetzt wurde. Die übliche Besetzung bestand aus einem Bläseroktett (je zwei Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagotte), das oft durch zusätzliche Bassinstrumente (Kontrafagott oder Kontrabaß) oder weitere Bläser ergänzt wurde.

Die Harmoniemusik in diesem ursprünglichen Sinne ist nicht zu verwechseln mit Blasorchestern in Harmoniebesetzung, die vor allem in der Schweiz vielfach den Namen "Harmoniemusik" tragen.

Praxis

Vor allem im klassischen Wien gehörte die Harmoniemusik zum "guten Ton" von Adelshäusern, die damit ihre geladenen Gesellschaften vor allem mit Bearbeitungen aus Opern aber auch von Militär- und Promenadenmusik die teilweise spezielle hierfür komponiert wurden, erfreuen konnten. Vielfach wurde Harmoniemusik auch als (nächtliches) Ständchen im öffentlichen Raum vorgetragen. Selbst der Habsburger Hof, der sich (im Gegensatz zu manchem niederen Adeligen) große Orchester leisten konnte, gründete 1782 eine "Kaiserliche und königliche Harmonie", die bis 1837 bestand und die über 170 Opernbearbeitungen und 22 Orgininalwerke für diese Besetzung in Auftrag gab.

Im Musikalischen Lexikon von 1802 bemerkt der Musiktheoretiker Heinrich Christoph Koch zur Harmoniemusik:
"Man bedient sich dabey entweder besonders dazu gesetzter Tonstücke, die aus Sätzen von verschiedener Bewegung und Taktart bestehen und jeden Charakter annehmen können, aber in keiner bestimmten Ordnung auf einander folgen, oder man arrangirt für diese Instrumente Opern und andere Tonstücke, die eigentlich zu einem andern Gebrauche bestimmt sind, weil es bis jetzt noch an einer hinlänglichen Anzahl guter Tonstücke fehlet."

Große Komponisten und die "Harmonie"

Joseph Haydn komponierte einige Harmoniemusiken, die meisten davon waren klein besetzt (als Sextett aus je zwei Oboen, Hörnern und Fagotten). Das berühmteste große Werk von ihm ist die Parthita in B, deren langsamer Mittelsatz, der Chorale Sant'Antoni von Johannes Brahms zum Augangsthema seiner Haydn-Variationen gewählt wurde.

Auch Mozart hat auf diese modische Strömung reagiert, zunächst indem er Teile seiner Opern "auf Harmonie setzte", dazu schreibt er am 20. Juli 1782 an seinen Vater:
«bis Sonntag acht tag muß meine opera [wohl die ‹Entführung aus dem Serail›] auf die harmonie gesetzt seyn – sonst kommt mir einer bevor – und hat anstatt meiner den Profit davon; [...] sie glauben nicht, wie schwer es ist so was auf die harmonie zu setzen – daß es den blaßinstrumenten eigen ist, und doch dabey nichts von der Wirkung verloren geht.»

Dabei hatte Mozart (wie andere seiner Kollegen) vor allem die Popularisierung seiner eigenen Opern im Auge: Er machte Werbung für seine Werke und profitierte nebenbei von deren Zweitverwertung indem er diese so bearbeitete, dass die Abfolge der Stücke dem Verlauf des originalen Bühnenwerks entsprach. Zum selbstironischen Höhepunkt gelangt diese Strategie, wenn Mozart im Finale seines Don Giovanni die Harmoniemusik auf der Bühne ein Zitat aus Le nozze di Figaro zur Tafelmusik blasen lässt und der Titelheld munter mitsingt: "Questa poi la conosco pur troppo (Das da jetzt kenn' ich nur zu gut)".

Zur gleichen Zeit aber entstanden aus Mozarts Feder auch Werke für Bläserensemble, die mit dem reinen Unterhaltungscharakter der Harmoniemusik kaum mehr etwas zu tun haben. Seine Gran partita für 13 Bläser und die Serenaden in Es-Dur und c-moll sind echte Kammermusikwerke, die den Meister auf dem Höhepunkt seiner Schöpfungskraft zeigen und in Form und Motivik seiner Streicherkammermusik um nichts nachstehen. Gleiches gilt auch für die Bläseroktette von Ludwig van Beethoven und Franz Schubert.

Ab ca. 1830 wurde die Harmoniemusik durch das öffentliche bürgerliche Musikleben langsam aus der Alltagskultur verdrängt.

CD-Aufnahmen
• Consortium Classicum (Dieter Klöcker): Wolfgang Amadeus Mozart: Harmoniemusiken (3 CDs) - Die CD enthält Bearbeitungen aus "Die Entführung aus dem Serail", "Die Zauberflöte", "La Clemenza di Tito", "Die Hochzeit des Figaro" und "Don Giovanni".

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